Dienstag, 15. März 2011

Versteckte Gebühren bei Investment- und Immobilienfonds

Berlin ist ja - wie Hamburg, München und viele andere Orte - immer eine Reise wert. Deshalb habe auch ich mich ´mal wieder auf den Weg in die Hauptstadt gemacht.....

Berlin ist aber auch eine der "Hauptstädte" in Sachen Investment- und Immobilienfonds. Viele Gesellschaften haben hier ihren Sitz, viele Anleger haben Geld in Fonds liegen.

Abgesehen von vielen anderen Risiken, die eine Geldanlage in Fonds in sich bergen können, werden den Anlegern eine erkleckliche Menge an Gebühren abgenommen - oft von den Anlegern unbemerkt. Ausgewiesen in den Prospekten und Hochglanz-Flyern werden Ausgabeaufschlag (in der Regel bis zu 5%, ich habe aber schon 8% gesehen), Verwaltungsgebühr (bis zu 2%) und Gebühren, die anfallen, wenn innerhalb des Fonds "umgeschichtet" wird.

Daneben werden oft noch "Fixgebühren", Gebühren für "unerwartete Kosten", Rückgabegebühren oder Erfolgsgebühren erhoben. Dabei definiert die Gesellschaft ihren Erfolg auch noch selbst: schneidet z.B. der Fonds besser ab als ein vorher festgelegter Index ( und ist dies als "Erfolg" beschrieben ), kann der Fonds selbst Verluste machen - und dennoch wird die Erfolgsgebühr fällig, wenn nur der Index noch schlechter gelaufen ist.

Diese Gebühren werden oft in den Prospekten so versteckt, dass der juristische Laie sie kaum selbst finden kann.

Da jedoch eine Verpflichtung besteht, den Anleger über die entstehenden Kosten zu informieren, können Anleger wegen der versteckten Kosten ggf. Schadensersatzansprüche geltend machen, die bis zur Rückabwicklung des Fondskaufes gehen können.

Kommentare:

  1. Hallo Frau Uelhoff,

    eine Menge interessanter Themen besprechen Sie!

    Zu den Kostenquoten bei Fonds, die

    Total expense Ratio (TER)

    Diese Kennzahl wird berechnet in dem man die gesamten Kosten des Fonds durch das Fondsvermögen teilt. Damit erhält man den Prozentsatz der gesamten Kosten am Fondsvermögen.


    Die TER-Kennziffer ist jedoch nicht vollständig:
    Auf Fondsebene sind Depotumschichtungskosten und erfolgsabhängige Honorierungen nicht enthalten.

    Ausführlicheres hierzu: http://de.wikipedia.org/wiki/Total_Expense_Ratio

    U.a. Folge der Kostenquoten ist, dass höchstens 10% aller Fonds dauerhaft ihren Vergleichs-Börsenindex übertreffen (bspw. den Eurostoxx, für in europäisch Aktien investierende Fonds).

    Alles entscheidend jedoch aus meiner Sicht die Frage: Welche Rendite hat der Fonds am Ende einer jeden Betrachtungsperiode für den Anleger erwirtschaftet?

    Dies kann Jedermann anhand der vergangenen Kursentwicklung erkennen und hier sind die Qualitätsunterschiede innerhalb der Anlageklassen gigantisch.

    Mein Rat ist, stets nur in die Fonds mit den 1% besten Vergangenheitswerten ihrer jeweiligen Anlageklasse zu investieren.

    Dort darf nach meiner Ansicht dann auf Fondsebene auch gut verdient werden.


    Viele Grüße

    Arno Buchler

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  2. Hallo Herr Buchler -
    ja, das Bank- und Kapitalmarktrecht ist interessant ;-)

    Ich habe grundsätzlich gar nichts dagegen, dass mit Kapitalanlagen Geld verdient wird (und nicht nur von Anlegerseite). Geld verdienen müssen wir ja alle.

    Etwas "verschnupft" reagiere ich nur, wenn man den Anleger darüber im Dunkeln lässt. Die Angabe der TER ist ja gesetzlich vorgeschrieben, aber das hilft dem Anleger nur bedingt weiter...

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  3. Hallo Frau Uelhoff,

    den Schnupfen, den man sich in der Dunkelheit holt, mag kein Anleger.

    Deshalb ist es empfehlenswert auf die Renditen nach Kosten zu sehen, sprich auf die vergangene Entwicklung der Nettoinventarvermögen (NAV) und dies nach Möglichkeit über viele Jahre der Vergangenheit. Qua sieht man automatisch, was für den Anleger trotz Kosten übrig geblieben ist.

    Bei den 1% Top-Fonds bekomme ich keinen Schnupfen, bei allem was seinen Index nicht übertrifft (ca.85%) schon.

    Transparenz bei Geldanlagen im Allgemeinen: Leider sind die Verbraucher und diejenigen die sich dem Verbraucherschutz verschrieben haben keine gewichtige Lobby...

    Viele Grüße

    Arno Buchler

    P.S. Jüngst gab es eine "Reform" zu Graumarktfonds. Hier habe ich den Eindruck, dass damit zu erheblichen Teilen eine Adelung der Abzockfonds in den Stand der Regulierten sattfand - als verbraucherfreundliche Reform deklariert...Lobby...

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