Montag, 9. Januar 2012

Beratung "light" durch Tageszeitung

Als Anwalt ist man ja schon von Berufs wegen an aktuellen Geschehnissen interessiert, eine regionale und eine überregionale Tageszeitung sind also "Pflichtlektüre".

Heute morgen findet sich in der regionalen Tageszeitung ein Artikel mit dem Titel "7 Expertentipps für die Geldanlage". Darin sind auf ca. einer halben Zeitungsseite sieben Tipps für Geldanlagen aufgelistet. Unter anderem findet sich dort auch die Empfehlung zum Kauf von Unternehmensanleihen durch einen Experten von der Berenberg Bank. Explizit wird auf die Unternehmensanleihe einer spanischen Telefongesellschaft hingewiesen, die eine Rendite von 4,7 % bringe. Zum Risiko einer solchen Anlage :"Es drohen Kursschwankungen und im schlimmsten Fall Ausfälle bei Zinsen und Tilgung."

Dieser schlichte Satz stellt das tatsächliche Risiko (Totalausfall des eingesetzten Kapitals) nur höchst unzureichend dar. In dem ganzen Artikel findet sich auch kein Wort darüber, dass bei jeder Geldanlage, egal ob Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld, Fonds, Unternehmensanleihen, Aktien, Edelmetallen, Rohstoffen, Staatsanleihern oder gar Derivaten eine individuelle Feststellung der Risikobereitschaft und der Anlageziele zu erfolgen hat.

Diese Tageszeitung wird von breiten Bevölkerungsschichten gelesen, auch von solchen, die wenig Erfahrungen in Geldanlagen haben. Wie groß ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass eine Bank abrät, wenn ein Leser zu ihr kommt und sagt, er möchte jetzt die empfohlene Unternehmensanleihe kaufen ? Sicher - die Bank bleibt zur anlage- und anlegergerechten Beratung und Aufklärung verpflichtet.

Aber die regionale Presse, die sich sonst (meist zu Recht) immer vor den Anleger stellt, sollte ein wenig sensibler mit "Anlagetipps" umgehen - sonst kommt irgendjemand ´mal auf die Idee, auch sie in die (Mit-)Haftung zu nehmen......

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