Donnerstag, 22. März 2012

Die wundersame Vermehrung im Depot - griechische Staatsanleihen

Herr Fleissig wundert sich: er hatte vor ein paar Jahren eine Anleihe des griechischen Staates im Nennwert von Euro 1000,00, fällig (also rückzahlbar) zum 30.04.2012, gekauft. Jetzt hat er mehr als 20 verschiedene Anleihen im Nennwert von ca. 1/4 des Ausgangswertes in sein Depot eingebucht bekommen - und diese Anleihen haben  Laufzeiten von 2023 - 2042. Herr Fleißig ist übrigens jetzt Mitte 60 - ob er noch erlebt, dass auch die letzte Anleihe zurück gezahlt wird, scheint doch zumindest zweifelhaft.....

Auf den ersten Blick ist das Vorgehen Griechenlands rechtlich unmöglich: in der Staatsanleihe waren Laufzeit, Zinsen etc. festgelegt. Anleger und griechischer Staat haben einen Vertrag geschlossen und der kann nicht einseitig geändert werden. Nun hat aber Griechenland mit Zustimmung oder unter Druck der anderen europäischen Länder einen "Schuldenschnitt" vorgenommen. Grundsätzlich würde das bedeuten, dass der Anleger nur einen bestimmten Teil des Geldes, das er dem griechischen Staat schuldet, zurückzahlen muss, z.B. 25 %. Das wäre ja schon schlimm genug. Erschwerend kommt aber hinzu, dass die Gelder eben nicht bei Ursprungsfälligkeit zurückgezahlt werden, sondern die gekappten Beträge wiederum in Anleihen "gezahlt" werden...

Was kann Herr Fleißig gegen diesen Zwangsumtausch tun ? Leider wenig ! Zwar haben einige Schutzvereinigungen angekündigt, rechtliche Schritte gegen den Schuldenschnitt zu prüfen - aber ich halte das spontan für nicht sehr aussichtsreich. Der Schuldenschnitt als solcher dürfte kaum justiziabel sein....... Wen es tröstet: es ist beileibe nicht der erste Schuldenschnitt eines Staates und es wird auch nicht der letzte bleiben, fürchte ich !

Kommentare:

  1. Da wird sich der Herr Fleißig aber freuen. Nicht nur, dass er kein Geld bekommt, sondern nunmehr auch statt für einen für 20 Posten Depotgebühren an die Bank entrichten muss.

    Verbrennen ist billiger!

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  2. Herr Munziger, Sie haben ja sooooo Recht. Ich habe z.B. die Gr.-Anleihe bei Kursen um 30 % gekauft, würde durch den Zwangsumtausch rein rechnerisch also sogar etwas verdienen (auch das gibts...). Aber durch das Aufdröseln auf die genannten Einzelwerte kursieren die meisten neuen Anleihen nur noch effektiv bei jeweils ca. 7,- €. Das bedeutet bei Bankgebühren von 7,95 € pro deal "Totalverlust".

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